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Der Gletscher im Wandel der Zeit
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Ø Temperatur-Anstieg
Gletscher­fläche
Eis­volumen
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Mittlere Eisdicke
Jahr
Den Jahresregler bewegen und die Entwicklung des Hallstätter Gletschers über die Zeit entdecken.
Kennzahlen von App[tauen]
°C
Die Temperatur zeigt die durchschnittliche Abweichung der Jahresmitteltemperatur vom langjährigen Mittel. Sie bildet die Grundlage der Berechnungen in APP[tauen].
Die Gletscherfläche beschreibt die Ausdehnung des Hallstätter Gletschers. Sie zeigt, wie sich seine räumliche Größe im Laufe der Zeit verändert.
Das Gletschervolumen gibt an, wie viel Eis der Hallstätter Gletscher insgesamt enthält. Es ist eine zentrale Kennzahl, um den langfristigen Eisverlust zu beurteilen.
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Die mittlere Eisdicke beschreibt die durchschnittliche Mächtigkeit des Gletschers. Sie zeigt, wie sich der Gletscher nicht nur in seiner Fläche, sondern auch in seiner Tiefe verändert.
Stand: 6. März 2026

Weltweit wandelt sich das Klima. Wetterextreme nehmen zu. Die Temperaturen steigen – auch in den Gebirgsregionen des Dachsteins. Die Folgen zeigen sich am Hallstätter Gletscher besonders deutlich. Eisflächen ziehen sich zurück, neue Felsbereiche werden sichtbar und der Gletscherraum verändert sich laufend.

Apptauen verbindet historische Aufnahmen, aktuelle Bilddaten und wissenschaftliche Beobachtungen, um diese Veränderungen sichtbar und über lange Zeiträume hinweg nachvollziehbar zu machen. Die Visualisierung zeigt die Entwicklung des Hallstätter Gletschers von 1856 bis 2100.

Climate Stripes Daten & Methodik

Meilensteine der Gletscher­entwicklung

Die Dachsteingletscher befinden sich am Höhepunkt der Kleinen Eiszeit und erreichen ihre maximale Ausdehnung nach einer mehr als 300-jährigen Kältephase. Viele Gletscher im Alpenraum reichen bis in tiefe Tallagen. In dieser Zeit beginnt Friedrich Simony mit seinen Forschungsarbeiten im Salzkammergut und am Dachstein.
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts steigen die Temperaturen deutlich an. Die Auswirkungen der vorangegangenen Kältephase gehen langsam zurück, gleichzeitig beginnt der Mensch durch die Industrialisierung zunehmend in das Klimasystem einzugreifen.
Die Temperaturentwicklung bleibt von stärkeren Schwankungen geprägt. Mitte der 1910er Jahre führen kühlere Sommer nochmals zu einem leichten Vorstoß der Gletscher. Die frühere Ausdehnung der Eisflächen wird jedoch nicht mehr erreicht.
Die Temperaturen steigen weiter an und die Gletscher verlieren zunehmend an Masse. Der menschliche Einfluss auf das Klimasystem wird immer deutlicher sichtbar.
Kühlere Phasen in den 1960er und 1970er Jahren wirken sich kurzfristig positiv auf die Gletscherentwicklung aus. 1980 und 1981 kommt es am Dachstein zum bislang letzten dokumentierten Vorstoß der Gletscher um wenige Meter. Ab diesem Zeitpunkt steigen die Temperaturen erneut deutlich an.
Die 2000er Jahre zählen zu den bisher wärmsten gemessenen Jahrzehnten. Die Erwärmung in Österreich verläuft deutlich stärker als im globalen Durchschnitt.
Das Forschungsprojekt „Klima und Massenhaushalt am Hallstätter Gletscher“ startet. Mit dachsteingletscher.info entsteht eine Plattform zur Dokumentation und Beobachtung der Veränderungen am Gletscher.
Die Webcam bei der Simonyhütte dokumentiert die Veränderungen der Gletscher erstmals laufend und öffentlich zugänglich. Aktuelle Entwicklungen können dadurch nahezu in Echtzeit beobachtet werden.
Starkregenereignisse und Wetterextreme nehmen weiter zu. In Teilen Oberösterreichs steigt das Risiko für Hochwasser und andere klimabedingte Auswirkungen.
Die Gletscherschmelze hält unvermindert an. Durch den Verlust von Eisflächen und das Auftauen des Permafrosts sind alpine Wege und Steige zunehmend von Steinschlag betroffen.
Heiße und trockene Sommer prägen das Klima immer stärker. Längere Hitzeperioden beeinflussen Vegetation, Wasserhaushalt und Landwirtschaft deutlich.
Mit steigenden Temperaturen verschiebt sich die Schneefallgrenze zunehmend in höhere Lagen. In vielen Skigebieten gewinnt künstliche Beschneiung weiter an Bedeutung.
Der Gletscherrückzug verändert die Abflussregime der Flüsse. Die Wasserspende der Gletscher in den Sommermonaten nimmt ab und beeinflusst den Wasserhaushalt sowie die Energieerzeugung.
Ohne wirksame Klimaschutzmaßnahmen steigen die Temperaturen weiter an. Die mittlere Jahrestemperatur in Österreich liegt deutlich über den heutigen Vergleichswerten.
Auch die Wassertemperaturen steigen kontinuierlich an. Veränderungen im Wasserhaushalt und Einschränkungen bei der Kühlwassernutzung werden zunehmend spürbar.
Längere Trockenperioden wirken sich stark auf Land- und Forstwirtschaft aus. Hitze und Wassermangel begünstigen zusätzlich die Ausbreitung von Schädlingen.
Die Winter werden milder und die Anzahl der Frosttage nimmt weiter ab. Gleichzeitig geraten kälteangepasste Pflanzen- und Baumarten zunehmend unter Stress.
Steigende Temperaturen und sinkende Grundwasserspiegel verändern alpine Ökosysteme nachhaltig. Besonders wasserabhängige Lebensräume reagieren empfindlich auf die klimatischen Veränderungen.
Die Gletscher am Dachstein bestehen nur noch in kleinen Restflächen in hochgelegenen Bereichen. Zusammenhängende Eisflächen sind kaum mehr vorhanden.
Heiße und trockene Sommer nehmen weiter zu. Tropische Nächte und lange Hitzeperioden prägen zunehmend das Klima in weiten Teilen Oberösterreichs.
Große Teile der heutigen Gletscherflächen in Österreich sind bis zum Ende des Jahrhunderts verschwunden. Am Dachstein bleiben Eisreste nur noch in hochgelegenen Bereichen bestehen. Außerhalb des Alpenhauptkammes existieren kaum noch zusammenhängende Gletscherflächen.

Climate Stripes: Die Grundlage von APP[tauen]

Die Climate Stripes zählen zu den bekanntesten Visualisierungen des Klimawandels weltweit. APP[tauen] nutzt dieses wissenschaftlich etablierte Prinzip und ergänzt es um Messdaten und Klimaszenarien. Dadurch wird sichtbar, wie sich die Temperaturentwicklung auf den Hallstätter Gletscher auswirkt.

Jahresmitteltemperatur und Klimaszenarien für den Hallstätter Gletscher

Diagramm der Jahresmitteltemperatur und der Klimaszenarien für den Hallstätter Gletscher.
Ein weltweit etabliertes Prinzip

Die Climate Stripes wurden entwickelt, um die Entwicklung der Jahresmitteltemperaturen einfach und verständlich darzustellen. Heute werden sie weltweit von Wissenschaft, Forschung und Bildung eingesetzt, um den Klimawandel sichtbar zu machen.

Jeder Streifen erzählt ein Jahr

Jeder farbige Streifen steht für ein Jahr. Blautöne kennzeichnen kühlere, Rottöne wärmere Jahre im Vergleich zum langjährigen Mittel. So wird die langfristige Erwärmung auf einen Blick erkennbar.

Messdaten und Klimaszenarien

Die schwarze Linie zeigt die gemessene Temperaturentwicklung bis 2020. Ab 2021 veranschaulichen zwei Klimaszenarien mögliche Entwicklungen der Jahresmitteltemperatur:

  • Blau (RCP4.5): ein Szenario mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen und reduzierten Treibhausgasemissionen.
  • Rot (RCP8.5): ein Szenario mit weiterhin hohen Treibhausgasemissionen und entsprechend stärkerer Erwärmung.

Daten & Methodik von App[tauen]

Die angegebenen Temperaturwerte der Vergangenheit beruhen auf den HISTALP Stationswerten.

https://www.zamg.ac.at/histalp/dataset/station.php

Diese wurden für die Station Feuerkogel ausgewertet. Die Temperaturreihe vom Feuerkogel wurde anhand einer mittleren Temperaturabweichung mit der Station Bad Ischl von 1856 bis 1930 ergänzt. Die gezeigten Temperaturanomalien beziehen sich auf die aktuelle, 30-jährige Klimaperiode von 1991 bis 2020. Auf die gleiche Periode beziehen sich die Temperaturanomalien für die Zukunft abgeleitet aus den ÖKS15 Daten für den Bereich Dachstein.

https://klimaszenarien.at/oeks-15/

https://data.hub.geosphere.at/group/oks15

Für die Gletscheränderungen wurden verfügbaren Höhenmodelle herangezogen. Zu einem sind dies die aus historischen Quellen reproduzierten Gletscherflächen aus der Diplomarbeit von Helfricht.

https://epic.awi.de/id/eprint/32204/1/Helfricht_Kay_2009_Dipl.pdf

Zudem wurden neuere Höhenmodelle aus Laserscanbefliegungen des Landes Oberösterreich ergänzt.

https://www.doris.at/themen/basiskarten/als.aspx

Für die Abschätzung des Gletscheruntergrundes, der Eisdicke und damit der Eisvolumina wurden die Modellergebnisse von Helfricht et al. (2019) verwendet.

https://www.frontiersin.org/articles/­10.3389/feart.2019.00068/full

Für die Abschätzung zukünftiger Gletscherstände wurde die beobachtete Eisdickenänderung zwischen 2006 und 2018 fortschreitend von der derzeitigen Eisdickenverteilung abgezogen.

Für APP[tauen] werden Anomalien der Jahresmitteltemperatur als Grundlage der Modellierung herangezogen. Die Darstellung und Interpretation wird im Abschnitt „Climate Stripes“ erklärt.

„Lange Messreihen wie am Hallstätter Gletscher zeigen, wie stark sich das Klima verändert – und warum diese Erwärmung außergewöhnlich ist. Gletscher zählen zu den wichtigsten Klimaindikatoren weltweit. Sie machen Veränderungen über lange Zeiträume sichtbar und helfen dabei, die Auswirkungen der Erderwärmung besser zu verstehen.”

Andrea Fischer, Glaziologin & Wissenschafterin des Jahres 2023

Porträt von Andrea Fischer, Glaziologin & Wissenschafterin des Jahres 2023

So wird am Gletscher geforscht

Messungen der Schneedecke am Hallstätter Gletscher im Rahmen der Gletscherforschung.

Messungen, Beobachtungen und langfristige Datensammlungen bilden die Grundlage der Forschung am Hallstätter Gletscher. Von der Massenbilanz über Wetterdaten bis zur Echtzeitbeobachtung entstehen laufend neue Einblicke in die Entwicklung des Gletschers.

Zur Gletscherforschung