App[tauen]
Weltweit wandelt sich das Klima. Wetterextreme nehmen zu. Die Temperaturen steigen – auch in den Gebirgsregionen des Dachsteins. Die Folgen zeigen sich am Hallstätter Gletscher besonders deutlich. Eisflächen ziehen sich zurück, neue Felsbereiche werden sichtbar und der Gletscherraum verändert sich laufend.
Apptauen verbindet historische Aufnahmen, aktuelle Bilddaten und wissenschaftliche Beobachtungen, um diese Veränderungen sichtbar und über lange Zeiträume hinweg nachvollziehbar zu machen. Die Visualisierung zeigt die Entwicklung des Hallstätter Gletschers von 1856 bis 2100.
Meilensteine der Gletscherentwicklung
Climate Stripes: Die Grundlage von APP[tauen]
Die Climate Stripes zählen zu den bekanntesten Visualisierungen des Klimawandels weltweit. APP[tauen] nutzt dieses wissenschaftlich etablierte Prinzip und ergänzt es um Messdaten und Klimaszenarien. Dadurch wird sichtbar, wie sich die Temperaturentwicklung auf den Hallstätter Gletscher auswirkt.
Jahresmitteltemperatur und Klimaszenarien für den Hallstätter Gletscher
Die Climate Stripes wurden entwickelt, um die Entwicklung der Jahresmitteltemperaturen einfach und verständlich darzustellen. Heute werden sie weltweit von Wissenschaft, Forschung und Bildung eingesetzt, um den Klimawandel sichtbar zu machen.
Jeder farbige Streifen steht für ein Jahr. Blautöne kennzeichnen kühlere, Rottöne wärmere Jahre im Vergleich zum langjährigen Mittel. So wird die langfristige Erwärmung auf einen Blick erkennbar.
Die schwarze Linie zeigt die gemessene Temperaturentwicklung bis 2020. Ab 2021 veranschaulichen zwei Klimaszenarien mögliche Entwicklungen der Jahresmitteltemperatur:
- Blau (RCP4.5): ein Szenario mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen und reduzierten Treibhausgasemissionen.
- Rot (RCP8.5): ein Szenario mit weiterhin hohen Treibhausgasemissionen und entsprechend stärkerer Erwärmung.
Daten & Methodik von App[tauen]
Die angegebenen Temperaturwerte der Vergangenheit beruhen auf den HISTALP Stationswerten.
https://www.zamg.ac.at/histalp/dataset/station.php
Diese wurden für die Station Feuerkogel ausgewertet. Die Temperaturreihe vom Feuerkogel wurde anhand einer mittleren Temperaturabweichung mit der Station Bad Ischl von 1856 bis 1930 ergänzt. Die gezeigten Temperaturanomalien beziehen sich auf die aktuelle, 30-jährige Klimaperiode von 1991 bis 2020. Auf die gleiche Periode beziehen sich die Temperaturanomalien für die Zukunft abgeleitet aus den ÖKS15 Daten für den Bereich Dachstein.
https://klimaszenarien.at/oeks-15/
https://data.hub.geosphere.at/group/oks15
Für die Gletscheränderungen wurden verfügbaren Höhenmodelle herangezogen. Zu einem sind dies die aus historischen Quellen reproduzierten Gletscherflächen aus der Diplomarbeit von Helfricht.
https://epic.awi.de/id/eprint/32204/1/Helfricht_Kay_2009_Dipl.pdf
Zudem wurden neuere Höhenmodelle aus Laserscanbefliegungen des Landes Oberösterreich ergänzt.
https://www.doris.at/themen/basiskarten/als.aspx
Für die Abschätzung des Gletscheruntergrundes, der Eisdicke und damit der Eisvolumina wurden die Modellergebnisse von Helfricht et al. (2019) verwendet.
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/feart.2019.00068/full
Für die Abschätzung zukünftiger Gletscherstände wurde die beobachtete Eisdickenänderung zwischen 2006 und 2018 fortschreitend von der derzeitigen Eisdickenverteilung abgezogen.
Für APP[tauen] werden Anomalien der Jahresmitteltemperatur als Grundlage der Modellierung herangezogen. Die Darstellung und Interpretation wird im Abschnitt „Climate Stripes“ erklärt.
„Lange Messreihen wie am Hallstätter Gletscher zeigen, wie stark sich das Klima verändert – und warum diese Erwärmung außergewöhnlich ist. Gletscher zählen zu den wichtigsten Klimaindikatoren weltweit. Sie machen Veränderungen über lange Zeiträume sichtbar und helfen dabei, die Auswirkungen der Erderwärmung besser zu verstehen.”
Andrea Fischer, Glaziologin & Wissenschafterin des Jahres 2023
So wird am Gletscher geforscht
Messungen, Beobachtungen und langfristige Datensammlungen bilden die Grundlage der Forschung am Hallstätter Gletscher. Von der Massenbilanz über Wetterdaten bis zur Echtzeitbeobachtung entstehen laufend neue Einblicke in die Entwicklung des Gletschers.